top of page

Ein Blick hinter die Kulissen der systemischen Therapie

  • Autorenbild: aljazec
    aljazec
  • 4. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Was mich an der systemischen Therapie besonders fasziniert, ist ihr ganzheitlicher Blick auf den Menschen. Statt nur das Innenleben einer Person zu betrachten, geht es auch darum, wie das Umfeld – also Familie, Arbeit, Beziehungen – unser Denken, Fühlen und Verhalten beeinflusst.

ree

Schon in den 1950er Jahren wurde erkannt, dass psychische Symptome nicht isoliert im Individuum entstehen, sondern auch Ausdruck von Belastungen im sozialen Kontext sein können. Wer ständig kritisiert wird oder keine Wertschätzung erlebt, fühlt sich zwangsläufig anders als jemand, der in einem unterstützenden Umfeld lebt.


Ein zentrales Prinzip in der systemischen Denkweise ist die sogenannte Zirkularität. Das bedeutet: Verhalten wirkt wechselseitig. Es ist oft nicht entscheidend, wer etwas verändert – sondern dass sich etwas verändert. Eine kleine Bewegung an einer Stelle kann das gesamte System in eine neue Richtung lenken.


In den 1980ern kamen durch die Arbeiten von Maturana, Varela und Luhmann weitere spannende Aspekte hinzu: Jede Beobachtung ist auch eine Mitgestaltung. Als Therapeut*in beeinflusst man also das Gespräch – allein schon dadurch, worauf man den Fokus richtet. Therapie kann dadurch entweder als „Arbeit am Schmerz“ oder als „Entdeckung vergessener Ressourcen“ erlebt werden.


Außerdem spielt der Konstruktivismus eine große Rolle: Es gibt nicht die eine Wahrheit. Jeder Mensch konstruiert seine Wirklichkeit auf eigene Weise – und diese Unterschiede sind wertvoll. In der Arbeit mit Paaren oder Familien bedeutet das, möglichst offen und neutral für all diese Sichtweisen zu bleiben.


Ziel ist nicht, eine „richtige“ Realität zu finden, sondern neue Perspektiven zu ermöglichen – im Sinne von: Unterschiede, die einen Unterschied machen.


Ein weiterer inspirierender Zweig ist die lösungsorientierte Kurzzeittherapie, besonders geprägt durch Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Hier geht es nicht vorrangig um die Frage „Warum ist das so?“, sondern um: „Was funktioniert (bereits)?“ oder „Wann war es besser?“ – der Fokus liegt klar auf Ressourcen und Zukunft.


Oft wird systemische Therapie auch mit Aufstellungsarbeit gleichgesetzt. Auch wenn das nicht ganz dasselbe ist, kann diese Methode sehr hilfreich sein, um Beziehungsmuster sichtbar zu machen – sei es mit echten Personen, Figuren oder rein gedanklich. So lassen sich neue Sichtweisen auf das eigene System entwickeln und mögliche Veränderungen erfahrbar machen.


Für mich ist die systemische Perspektive ein kraftvoller Zugang, um Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu verstehen – und sie dabei zu unterstützen, neue Wege zu sehen, wo vorher nur Blockaden waren.


 
 
 

Kommentare


bottom of page